Der unbekannte Schumann? Klavier-Vortrag
Bach-Saal (Musikwissenschaftl. Institut / CAU Kiel)
Preise
Teil I: Die Kinderszenen im neuen Licht alter Metronomzahlen
Teil II: Schumanns letzter Klavierzyklus Gesänge der Frühe
Dr. Michael Struck, Referent und Klavier
Der unbekannte (?!) Schumann
Die Kinderszenen im neuen Licht alter Metronomzahlen
Die Gesänge der Frühe – Schumanns letzter Klavierzyklus
Robert Schumanns Gesänge der Frühe gehören zu den relativ unbekannten Werken des Komponisten. Die fünf Stücke seines letzten „poetischen“ Klavierzyklus entstanden Mitte Oktober 1853. Mit ihrem teils feierlichen, teils enthusiastisch zukunftsgerichteten Tonfall wirken sie wie ein musikalisches Gegenstück zu Schumanns kurz zuvor geschriebenem legendärem Aufsatz "Neue Bahnen" über den jungen Johannes Brahms, der sich gerade bei Robert und Clara Schumann in Düsseldorf vorgestellt hatte. Heute weiß man auch, dass die Gesänge der Frühe von Friedrich Hölderlins Diotima-Gestalt inspiriert wurden, von der in Gedichten und vor allem im Roman Hyperion die Rede ist. Das Gesprächskonzert skizziert die Entstehungshin-tergründe und verweist auf musikalische Charakteristika des Werkes, mit dem Schumann seiner Musik noch einmal neue Ausdrucksbereiche erschloss.
Verwunderlich erscheint es demgegenüber, wenn auch bei den 1839 veröffentlichten Kinderszenen vom „unbekannten“ Schumann die Rede ist. Immerhin handelt es sich um eines von Schumanns populärsten Werken, das unser Schumann-Bild maßgeblich geprägt hat. Aber wie genau kennen wir die Kinderszenen, die heute oft viel langsamer, besinnlicher, „philoso-phischer“ (kitschiger?) gespielt werden, als es die Metronomzahlen der Erstausgabe forderten. Freilich sind die Metronomangaben durchaus umstritten. Unter solchen Bedingungen wird der Einführungsvortrag (mit Musikbeispielen) fast zu einer musikalischen Kriminalgeschichte. Diese widmet sich der ebenso spannenden wie verwickelten Frage nach den Hintergründen des Tempo-Streites und berührt auch die Frage, ob Schumanns Metronom wirklich defekt war, so dass seine Metronomzahlen angeblich nichts taugen. Abschließend werden die Kinderszenen in den zügigen „alten“ Tempi gespielt. Dabei wird sich selbst in diesem bekannten Werk zum Teil ein „unbekannter“ Schumann zeigen.
Preise
| € 8,- | Normalpreis |
| € 6,- | Mitglieder der Musikfreunde/Schüler/Studenten (unnummerierte Plätze) |
